Sexismus und Belästigung in der Gastronomie – kein Einzelfall, kein Betriebsrisiko, sondern ein strukturelles Problem
NOT MY JOB – Weil Sexismus und Belästigung niemals Teil des Jobs sein dürfen
In vielen Bereichen der Gastronomie gehören Sexismen und Belästigung zum Arbeitsalltag (L&R Sozialforschung / vida.at). Besonders betroffen sind FLINTA*-Personen, die im direkten Gästekontakt arbeiten – an der Bar, im Service, an der Theke. Zwischen Lächeln, Hektik und Hierarchie erleben viele Beschäftigte Grenzverletzungen, übergriffige Kommentare, unerwünschte Annäherungen oder Drucksituationen, die kaum angesprochen werden können oder dürfen.
Viel zu oft wird sexualisierte Belästigung bagatellisiert oder als „Teil des Jobs“ abgetan. Die Verantwortung der Übergriffe wird auf die Betroffenen geschoben und Sätze wie “Das gehört nunmal dazu, da brauchst Du ein dickeres Fell, wenn Du den Job machen willst” gehören zur Praxis. Genau hier setzt die Aktion „Not my job / Nicht mein Job“ an: Sie macht sichtbar, was oft übersehen oder stillschweigend hingenommen wird. Sie fordert Verantwortungsübernahme und zeigt Wege auf, wie Schutz, Prävention und Solidarität im betrieblichen Alltag möglich sind.
Hier findest du Informationen für:
Zahlen aus der Praxis
Eine aktuelle Studie unter Beschäftigten der Wiener Gastronomie (2024) zeigt:
- 72 % der Befragten haben sexuelle Belästigung erlebt oder beobachtet
- Bei Frauen liegt die Quote sogar bei 79 %
- In über 60 % der gemeldeten Fälle wurde nicht durch die Arbeitgeber:innen reagiert
Diese Zahlen stehen exemplarisch für ein Problem, das auch in anderen Städten, Regionen und Ländern alltäglich ist, so auch in Bremen.
Was die Aktion leistet
„Not my job / Nicht mein Job“ ist eine Initiative von Ann-Kathrin Müller und dem Landesfrauenrat Bremen. Sie richtet sich an alle, die in der Gastronomie arbeiten oder sich dort bewegen:
- Betroffene, die Klarheit, Unterstützung und Rückhalt brauchen
- Arbeitgeber:innen, die ihrer Fürsorgepflicht nachkommen wollen
- Gäste, Kolleg:innen und Vorgesetzte, die sich nicht wegducken, sondern Verantwortung übernehmen wollen
Auf den folgenden Seiten finden Sie:
- Informationen, Handlungsmöglichkeiten und Materialien für Beschäftigte und Betroffene
- Empfehlungen für Arbeitgeber:innen und Führungskräfte
- Hinweise für Gäste, die respektvoll flirten und nicht übergriffig werden wollen
- Tipps für Menschen, die etwas beobachten und wissen wollen, wie sie eingreifen oder unterstützen können
Kontakt zum Projekt
Für Rückfragen oder zum Austausch erreichen Sie uns unter not-my-job@landesfrauenrat-bremen.de
Wofür wir stehen
Sexuelle Belästigung ist kein Nebenprodukt von Stress, Nähe oder individuelles Fehlverhalten – sie entsteht aus Strukturen. Und Strukturen lassen sich verändern.
Wir setzen uns ein für Arbeitsplätze, an denen niemand Angst haben muss, Grenzen zu setzen, für Betriebe, in denen Respekt nicht verhandelt wird und für eine Branche, in der Sicherheit und Würde keine Sonderausstattung sind, sondern Standard.
Not your job. Nicht dein Job. Nie.
