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FÜR GÄSTE

TIP RESPECT!

 

Was ist Belästigung? Wo fängt Belästigung an? Darf ich noch flirten?

Sexuelle Belästigung ist jede Form von unerwünschtem, sexuell konnotiertem Verhalten, das die Würde einer Person verletzt. Das kann verbal, nonverbal und/ oder körperlich sein – und fängt oft früher an, als viele denken.

 

Beispiele für Belästigung:

  • Anzügliche Sprüche oder zweideutige Kommentare
  • Sexistische Witze
  • Kommentare über die sexuelle Orientierung
  • Fragen mit sexuellem Inhalt
  • „Zufälliges“ Berühren, Umarmen, Streicheln
  • Anstarren oder “taxierende” Blicke
  • Anzügliche Gesten
  • Unerwünschtes Zeigen von sexualisierten Bildern oder Videos
  • Kommentare zu Körper, Kleidung oder Aussehen
  • „Witze“ mit sexuellem Bezug
  • Druck durch Trinkgeld oder Alkohol („Nur noch ein Shot mit mir? Und wenn ich dir 5 Euro Trinkgeld gebe?“)

Wichtig: Es zählt nicht, ob es „so gemeint“ war –
es zählt, wie es bei der betroffenen Person ankommt.

Darf ich denn noch Flirten? Gerne – aber nur mit Respekt.

Du willst jemandem im Service zeigen, dass du sie*ihn gut findest?
Cool – aber denk dran: Die Person ist gerade auf der Arbeit. Sie kann nicht einfach weggehen oder die Situation so einfach auflösen, wenn es unangenehm für sie wird.

Flirten darf nie mit Druck, Unsicherheit oder Machtspielchen verbunden sein.

Besser so:

Lass einen Zettel mit deiner Nummer da – aber erst, wenn du gehst.
So hat die Person Zeit, Raum und die Wahl, ob sie sich melden will. Ohne unangenehme Momente wenn sie nein sagen will, ohne Erwartungsdruck, ohne unangenehmes Nein-sagen-müssen.

 

Das zeigt:

  • Du respektierst den Arbeitsplatz

  • Du überlässt die Entscheidung deinem Gegenüber

  • Du kannst mit einem Nein umgehen

Flirten ist okay. Übergriffe sind es nie.

 

Grenzen & Konsens – auch im Arbeitskontext

Konsens bedeutet:
Alle Beteiligten wollen das Gleiche – freiwillig, klar und ohne Druck.
Ein echtes Ja fühlt sich sicher an. Alles andere ist ein Nein.

 

Und im Job?

In der Gastronomie ist Konsens besonders wichtig, denn hier verschwimmen oft die Rollen: Menschen lächeln, sind freundlich, wirken nahbar. Aber: Sie arbeiten. Ein Lächeln ist kein Flirt. Freundlichkeit ist oft Teil des Jobs.

 

Wenn du an der Bar oder im Service mit jemandem sprichst, dann frag dich:

 

  • Will die Person gerade wirklich ein Gespräch oder ist sie einfach höflich?

  • Gibt es ein echtes Gegenüber oder redest du einfach weiter, obwohl keine Reaktion kommt?

  • Hast du in irgendeiner Art ein Nein bekommen und machst trotzdem weiter?

 

  • Wenn du eine oder mehrere dieser Fragen mit “Ja” beantworten musstest, dann hör auf und lass die Menschen arbeiten.

Außerdem: Grenzen gelten auch ohne Erklärung. Niemand muss begründen, warum etwas unangenehm ist.

Konsens erkennen heißt:

  • Nicht überreden, nicht interpretieren, nicht schönreden.

  • Nicht von dir ausgehen, sondern auf die andere Person achten.

  • Nicht „es war doch nett gemeint“, sondern: Wie kam es an?

Wenn du dir unsicher bist, ob etwas okay ist, gilt eine einfache Regel:
Nach Konsens fragen oder im Zweifel einfach lassen.

Das ist kein Flirtverbot.
Das ist Respekt.
Nicht drüber diskutieren, sondern akzeptieren. Punkt.

 

Was tun, wenn andere sich danebenbenehmen?

(z. B. dein:e Freund:innen, Kolleg:innen oder Gäste)

Du siehst oder hörst, dass jemand übergriffig wird – sexistische Sprüche, unangemessenes Flirten, Berührungen, Kommentare, Starren?

Dann ist es auch dein Moment, Verantwortung zu übernehmen!

Hier ein paar Dinge, die du tun kannst:

1. Sprich die Person direkt an – ruhig, aber klar

 

  • „Ey, das war nicht cool.“

  • „Lass sie*ihn einfach in Ruhe, die Person arbeitet gerade.“

  • „Du merkst schon, dass das unangenehm ist, oder?“

  • „Hör auf damit – das geht zu weit.“

Du musst kein Streitgespräch führen – ein Satz reicht oft, um eine Grenze zu setzen.

 

2. Frag die betroffene Person – leise und direkt

 

  • „Alles okay bei dir?“

  • „Willst du, dass ich dich kurz ablöse?“

  • „Brauchst du Rückendeckung?“

Auch ein kurzer Blick und ein „Ich bin da, wenn du was brauchst“ kann viel bedeuten.

 

3. Hol Hilfe, wenn du dir unsicher bist

 

  • Vertrauensperson, Schichtleitung, Kolleg:innen – du musst das nicht allein lösen.

  • Wenn es ein Gast ist, der sich danebenbenimmt: Hausrecht nutzen lassen, notfalls gemeinsam rausschmeißen oder die Polizei (110) einschalten.

4. Sprich später nochmal mit deinem Kumpel / Kollegen

 

  • „Ich glaube, das war gerade echt unangenehm für sie. Vielleicht hast du's nicht gemerkt.“

  • „Wenn du Interesse hast – cool. Aber so, wie du das machst, ist’s übergriffig.“

  • „Kann sein, dass du das nicht böse meintest – aber es war trotzdem nicht okay.“

Es geht nicht darum, jemanden zu „canceln“ sondern darum, zu zeigen: Wir passen aufeinander auf und wir sagen was, wenn’s nicht passt! 

✊ Zivilcourage ist nichts Großes.

Ein Satz. Ein Blick. Ein kurzes Dazwischentreten.
Das reicht oft schon, damit sich jemand sicher(er) fühlt.

Flüstern reicht. Lautwerden ist okay. Wegschauen ist keine Option.

Wie benehme ich mich sonst korrekt?

Hier ein paar Do’s und Don’ts, die dir helfen können, dich im Bar- oder Gastro-Kontext respektvoll zu verhalten:

✅ DOs

  • Beobachte die Reaktionen deines Gegenübers. Zieht sich jemand zurück oder lacht gezwungen? → Stopp.

  • Achte auf Körpersprache. Wenn jemand abwehrend reagiert, heißt das: aufhören.

  • Nimm Feedback ernst. Wenn dir jemand sagt, dass dein Verhalten unangenehm war: Hör zu. Lern draus.

❌ DON’Ts

  • Kommentiere nicht das Aussehen von Barpersonal. Niemand ist da, um für dich „schön“ zu sein oder “mehr zu lächeln”.

  • Nutze weder Alkohol noch Trinkgeld, um irgendeine Form von Nähe zu erzwingen.

  • Bleib nicht an der Theke kleben, wenn du nichts bestellst.

  • Frag nicht: „Das war doch ok oder?“ – Wenn du’s im Nachhinein fragst, ist es oft nicht okay und immer zu spät.

  • Tu’s nicht als „witzeln” oder “Flirten“ ab, wenn sich wer unwohl fühlt. Es ist kein Flirt, wenn’s nicht freiwillig ist.

Du bist unsicher?

Das ist vollkommen okay – besser vorsichtig sein, als übergriffig.
Niemand ist perfekt. Aber nur wer dazulernt, ist Teil der Lösung und nicht des Problems.

 

Kontakt zum Projekt 

Für Rückfragen oder zum Austausch erreichen Sie uns unter not-my-job@landesfrauenrat-bremen.de 

 

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